STRG_F

Reportagen eines jungen Reporter-Teams: eintauchend und aufdeckend. Nah und journalistisch. Ehrlich und empathisch.

Abschlussbericht (2024)

Liebe Community,


wir haben uns in den vergangenen Monaten intensiv mit Rezos Vorwürfen rund um drei STRG_F-Videos auseinandergesetzt, haben sie geprüft und aufgearbeitet. Es ging dabei um das Video über “More Nutrition”, das Video, das als “Superreichen-Doku” bezeichnet wurde, und um unser Statement-Video. Es ist klar geworden: Wir haben Fehler gemacht und unser Umgang damit war schlecht.

Viele haben kritisiert, dass die Aufarbeitung länger gedauert hat als angekündigt - weit länger als die dafür geplante Winterpause - und wir können diese Kritik verstehen. Wir hatten gemerkt, dass wir für eine tiefgehende Analyse mehr Zeit brauchen; wir wollten uns nicht nur mit unseren Fehlern beschäftigen, sondern auch mit ihren Ursachen - und notwendige Maßnahmen ergreifen.

Bei den drei in die Kritik geratenen Videos haben wir jedoch durch unsere Fehler journalistische Standards unterlaufen. Das bedauern wir sehr, dafür möchten wir um Entschuldigung bitten. In unserem Statement-Video als erste Reaktion auf Rezos Vorwürfe haben wir uns reflexhaft verteidigt und waren nicht ausreichend fähig zur Selbstkritik. Wir hätten innehalten müssen, um die Fehler zu klären und die eigene Haltung zu reflektieren. Unsere Autorinnen und Autoren, die das Statement-Video präsentiert haben, sind infolgedessen persönlich in die Schusslinie geraten.

Es waren nicht ihre individuellen Fehler, wir haben gemeinsam Fehler gemacht. Journalismus ist bei uns Teamarbeit. Hinter jedem Autor, jeder Autorin steht eine Redaktion, eine Redaktionsleitung und eine Teamleitung. Die redaktionelle Verantwortung liegt letztlich bei uns, der Leitung. Das Statement-Video wird bei YouTube nicht mehr gelistet, es bleibt aus Transparenzgründen aber zugänglich.

Eine Ursache für die Fehler sehen wir darin, dass wir uns im vergangenen Jahr angesichts des wöchentlichen Outputs von STRG_F in eine Überlastungssituation manövriert hatten: zu viele Videos, zu wenig Zeit, zu wenig personelle Ressourcen, zu wenig Reflexion. Wir haben das lange mit sehr viel Leidenschaft und persönlichem Einsatz kompensiert. Für ein Format, das beinahe wöchentlich ein Video mit hohem journalistischem Anspruch veröffentlicht, arbeiten wir bei STRG_F mit einer vergleichsweise kleinen Redaktion.

Uns ist aber klar: Das ist keine Entschuldigung für unsere Fehler!

Wir hätten gemeinsam mit NDR und funk schon früher umsteuern müssen. Das haben wir jetzt getan.

  • Der Output von STRG_F wird um ein Drittel von 43 auf 30 Videos im Jahr reduziert. Das fällt uns nicht leicht, aber so haben wir künftig mehr Zeit für Recherchen, Prüfverfahren und Quellentransparenz.
  • Seit jeher gibt es bei jedem Video einen Faktencheck durch die Autorinnen und Autoren sowie eine redaktionelle und eine juristische Abnahme. Künftig werden die Videos vor der Veröffentlichung einem zusätzlichen journalistischen Faktencheck einer Kollegin oder eines Kollegen unterzogen, die bzw. der nicht an der Recherche beteiligt war. Diese Faktencheckerinnen und Faktenchecker werden die zentralen Annahmen, Thesen und Schlussfolgerungen des Videos bewusst hinterfragen. 
  • Wir haben unsere Workflows überprüft und analysiert, an welchen Stellen in der Erstellung eines Videos potenziell Fehler passieren können. Wir haben zu jedem dieser Punkte Lösungen gesucht und gefunden, um sicherstellen zu können, dass Fehler künftig schneller auffallen.
  • Wir haben unter den neuen Bedingungen bereits einige Videos vorproduziert und werden auch in Zukunft mit mehr Vorlauf arbeiten, um Drucksituationen künftig möglichst vermeiden zu können. Auch für diese Umstellung haben wir die vergangenen Monate genutzt.
  • Wir werden künftig die Quellen, auf die sich unsere Recherchen stützen, in einem Recherchedokument transparent machen. Ebenso dokumentieren wir dort unsere Recherchewege und andere Hintergründe.
  • Wir werden Presseanfragen in Zukunft nach Möglichkeit mit mehr Vorlauf stellen und Einzelpersonen längere Antwortfristen gewähren.  
  • Wir werden uns künftig mehr Zeit für Kritik und den Umgang mit Fehlern nehmen. Wenn Fehler passieren, werden wir diese sorgfältig aufklären und transparent dazu kommunizieren. Wir schaffen Räume und Formate im Arbeitsalltag, um über Fehler und Fehlerkultur zu sprechen, z.B. in zusätzlichen Konferenzen, in denen Kolleginnen und Kollegen von ihren Fehlern erzählen. Außerdem werden wir gezielt mehr Kritikerinnen und Kritiker von außen in unsere Redaktionskonferenzen einladen. Wir sind uns bewusst, dass Fehlerkultur konsequent und glaubwürdig vorgelebt werden muss. Wir wollen für eine Atmosphäre sorgen, in der alle den Mut haben, zu Fehlern zu stehen und aus ihnen zu lernen.

Vor Beginn der Aufarbeitung hatte es im Januar zunächst ein Gespräch mit Rezo persönlich gegeben. 

Für die interne Aufarbeitung und den Abschlussbericht sind wir dann folgendermaßen vorgegangen: 

Zunächst hat die STRG_F Redaktion gemeinsam mit den Autorinnen und Autoren der betroffenen Videos die Rechercheunterlagen, den Entstehungsprozess der Videos, die Videos selbst und die begleitenden Veröffentlichungen mit Blick auf Rezos Vorwürfe geprüft und einer Fehleranalyse unterzogen. Diese Fehleranalyse haben weitere Journalistinnen und Journalisten aus dem NDR, die nicht mit den kritisierten Videos befasst waren, begutachtet und kommentiert. Auf dieser Grundlage hat STRG_F eine interne Aufarbeitung der Vorwürfe verfasst. 

Dann haben drei externe freie Journalistinnen und Journalisten (Sabrina Winter, Sebastian Meineck und Aiko Kempen) diese interne Aufarbeitung überprüft, begutachtet und kommentiert. Sie haben dafür auch interne Unterlagen eingesehen. Diese drei externen Reviewerinnen und Reviewer haben aus journalistischer Perspektive bewertet, inwiefern die interne Aufarbeitung der Vorwürfe vollständig, schlüssig, korrekt und fair war. Anschließend haben wir gemeinsam mit einer NDR-Mitarbeiterin, die zuvor nicht mit den Vorgängen rund um STRG_F befasst war, die Befunde und Bewertungen in einem Abschlussbericht zusammengefasst. Dieser Abschlussbericht wurde abschließend den drei externen Reviewerinnen und Reviewern vorgelegt, die ihn final begutachtet und kommentiert haben. Falls es unterschiedliche Bewertungen zwischen STRG_F und den Reviewerinnen und Reviewern gab, sind diese im Abschlussbericht kenntlich gemacht. Die verantwortlichen Auftraggeber von funk und NDR waren während des mehrstufigen Aufarbeitungsprozesses und in den Abschlussbericht einbezogen. Der Abschlussbericht ist hier verlinkt. 

Es ist nun sechs Jahre her, dass STRG_F als ambitioniertes Rechercheformat gegründet wurde. Fast 300 YouTube-Videos sind in dieser Zeit entstanden. Die Recherchen unserer Autorinnen und Autoren haben viel Respekt erfahren und zahlreiche Auszeichnungen erhalten. 

Durch Rezos Vorwürfe, eure Kritik und viele Einwände der Begutachterinnen und Begutachter haben wir unsere Arbeitsweise noch einmal grundlegend hinterfragt. Wir möchten euch von nun an wieder mit unseren Recherchen überzeugen. Am Sonntag, 2. Juni 2024, kommt das nächste Video.

Lutz Ackermann (Redaktionsleiter STRG_F) und Dietmar Schiffermüller (Leitung Team Stories) 

Darum geht`s

Die Kombination STRG_F steht bei Computertastaturen für „Suche“, und auch in diesem Format begibt sich ein junges Team von Reporter:innen und Autor:innen auf die Suche. Sie suchen Antworten auf komplexe Fragen, wollen immer weiter wühlen und auch mal einen Selbstversuch wagen. Die Geschichten drehen sich um Themen, die für junge Leute in ihrer Lebenswelt politisch oder gesellschaftlich relevant sind. Bei STRG_F wird der ganze Weg mit erzählt: die Recherche, die Zweifel, die Haltung der Reporter:innen zu einem Thema, die Erfolge bei einer Suche genauso wie die Momente, in denen Reporter:innen nicht weiterkommen. Alles begleitet mit Kamera und Smartphone.

Auszeichnungen

2025

Grimme-Preis für die Besondere Journalistische Leistung in der Kategorie Information & Kultur für Isabell Beer und Isabel Ströh "für ihre intensiven digitalen Recherchen zu sexueller Gewalt" für STRG_F: Das Vergewaltiger-Netzwerk auf Telegram sowie STRG_F Epic: Pädokriminelle im Stream - So sicher fühlen sich die Täter


Stern-Preis 2025 in der Kategorie "Investigation" für Isabell Beer und Isabel Ströh für STRG_F: Das Vergewaltiger-Netzwerk auf Telegram

NDR Award in der Kategorie "Beste journalistische Leistung" für Isabell Beer und Isabel Ströh für STRG_F: Das Vergewaltiger-Netzwerk auf Telegram

Ulrich Schwabe Medienpreis 2025 im Bereich Audio/Video für Lia Gavi und Saida Belaatel für STRG_F: Geheime Abtreibungen mit illegalen Pillen

Courage Preis 2025 für aktuellen Journalismus für Isabell Beer und Isabel Ströh für STRG_F: Das Vergewaltiger-Netzwerk auf Telegram

Meduc Award mit einer Special Mention in der Kategorie Film für Kim Eckert und Romy Baierlipp für STRG_F: Pinkel-Video für WG-Zimmer: Wer ist M?

Deutsch Französischer Journalistenpreis 2025 in der Kategorie Investigation für Isabell Beer und Isabel Ströh für STRG_F: Das Vergewaltiger-Netzwerk auf Telegram

Bremer Fernseh- und Digitalpreis in der Kategorie Bestes regionales Social Video für Gunnar Krupp, Simon Hoyme, Lorenz Jeric für STRG_F: Mit Kuhhorn auf Frauenjagd - Klaasohm auf Borkum

Juliane Bartel Medienpreis für Isabell Beer und Isabel Ströh für STRG_F Epic: Wir finden die Täter

Journalistinnen des Jahres 2025 vom Medium Magazin für Isabell Beer und Isabel Ströh


2024

  • Das STRG_F Video Israel und Gaza: Leben zwischen Terror und Krieg (NDR | funk) erhielt 2024 den CIVIS TOP AWARD und CIVIS VIDEO AWARD. Am Video waren folgende Autor:innen beteiligt: Manuel Biallas, Armin Ghassim, Lisa Hagen, Mariam Noori, Timo Robben, Sulaiman Tadmory.

2023

  • 2023 wurde die Redaktionen von STRG_F und Panorama als Teil einer internationalen Recherche-Kooperation mit dem „Daphne Caruana Galizia Prize for Journalism“ ausgezeichnet.
  • Das funk-Format STRG_F wird für die sehr differenzierte Auseinandersetzung mit Afghanistan in „STRG_F bei den Taliban: Warum finden Menschen sie gut?“ mit einem Grimme-Preis in der Kategorie „Kinder und Jugend“ ausgezeichnet.

2022

2021

2020

  • Im Juni 2020 wurde das Format STRG_F mit dem Grimme Online Award in der Kategorie „Information“ ausgezeichnet.

2019

  • Im Rahmen der Verleihung des Ullrich Wickert Preises für Kinderrecht gewann Barbara Schminkler für ihr STRG_F-Video „Abschottung total – Kann man Migration stoppen?“ im September 2019 den Peter Scholl-Latour Preis für die Berichterstattung über das Leid von Menschen in Krisen- und Konfliktgebieten.

2018

  • „Was Pornos mit uns machen“ erhielt im November 2018 den zweiten Platz des Juliane Bartel Medienpreises. Mit der Auszeichnung werden Beiträge geehrt, die auf ernste oder unterhaltsame Weise die Gleichstellung von Frauen und Männern thematisieren und dabei Missstände sichtbar machen.
  • Das Format wurde im November 2018 vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie für die Reportage „CFD Trading: Wer sind die YouTube-Typen, die dich reich machen wollen?“ mit dem Deutschen Wirtschaftsfilmpreis in der Kategorie „Wirtschaft gut erklärt“ ausgezeichnet.
  • Außerdem erhielt die Reportage im August 2018 den dritten Platz des Helmut Schmidt Journalistenpreises. Der Preis wird seit 1996 jährlich von der ING-DiBa vergeben und prämiert „besonders herausragende Beispiele für kritischen Verbraucher- und investigativen Wirtschaftsjournalismus“.

Stab

Redaktion

    Lutz Ackermann (Redaktionsleitung, NDR)

    Dietmar Schiffermüller (Abteilungsleitung, NDR)

    Charlotte Bogo (Community Management und TikTok, NDR)

    Anna Orth (Stellvertretende Leitung, NDR)

    Salome Zadegan (Stellvertretende Leitung, NDR)

    Tobias Willms (Chef vom Dienst, NDR)

    Gunnar Krupp (Kreativer Direktor, NDR)

    Simone Horst (Redaktion, NDR)

    Mariam Noori (Redaktion, NDR)

    Sarah Richter (Redaktionsassistenz)

    Autor:innen

      Isabell Beer, Manuel Daubenberger, David Diwiak, Kim Eckert, Desiree Marie Fehringer, Kira Maria Gantner, Lia Gavi, Armin Ghassim, Lisa Maria Hagen, Sebastian Heidelberger, Simon Hoyme, Simone Horst, Nadja Hübner, Lorenz Jeric, Nadia Kailouli, Maximilian Klein, Gunnar Krupp, Jan Hendrik Littelmann, Mette Marit Olsson, Milan Panek, Timo Robben, Patrizia Schlosser, Jonas Schreijäg, Paul Lorenz Schwenn, Mirco Seekamp, Isabel Ströh, Sulaiman Tadmory, Henning Wirtz, Zita Zengerling, Betül Sarikaya, Julian Feldmann, Essam Yehia, Daniel Moßbrucker, Jan Jacke, Manuel Biallas, Mariam Noori

      Partnermanager funk

      Fabien Meier

      Produktion

        NDR für funk

        Start des Formats

        27.02.2018

        Formatstart

        13. März 2018

        Kategorie

        informieren

        Status

        aktiv

        20/03/2026

        23

        497

        18/03/2026

        38

        821

        17/03/2026

        16

        387

        15/03/2026

        14

        490

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