Stellungnahme Wolt
Ein*e Wolt-Fahrer*in hat uns berichtet, dass es Probleme bei der Auszahlung mit dem Gehalt gibt. Das heißt: Der Betrag wird laut dieser Aussage “nicht richtig” ausgezahlt und/oder sie*er hat das Geld “gar nicht” bekommen. Wie nehmt ihr hierzu Stellung? Handelt es sich hierbei um einen Einzelfall oder gibt es bei euch im Unternehmen generell Probleme mit der Auszahlung des Gehalts?
Uns sind wenige Fälle bekannt, in denen wir Probleme mit der rechtzeitigen Auszahlung von Gehältern hatten. Wir können uns zu Einzelfällen nicht äußern, da es sich dabei um private Informationen handelt - aber generell haben wir inzwischen alle fälligen Zahlungen geleistet, und es tut uns sehr leid für jedes Problem, das aufgetreten ist. Die meisten Zahlungsprobleme sind auf die ersten Monate seit dem Markteintritt zurückzuführen, da wir einige Probleme mit unseren lokalen Buchhaltungssystemen hatten. Wir haben inzwischen die Zahlungstermine und -systeme korrigiert und überwachen die monatlichen Gehaltszahlungen sehr genau, um weitere Probleme zu vermeiden. Zusätzlich zu den oben genannten Punkten weisen wir alle Mitarbeitern darauf hin, dass sie dafür verantwortlich sind, die korrekten persönlichen, steuerlichen und Bankdaten anzugeben, damit wir in der Lage sind, Zahlungen zu leisten und alle Steuern einzubehalten.
Beide Wolt-Fahrer*innen haben uns berichtet, dass sie es in Teilen problematisch finden, dass sie ihr eigenes Fahrrad benutzen müssen, da sie pro Monat recht hohe Kosten für die Instandhaltung aufbringen, sowie viel Extra-Zeit - die nicht vergütet wird - in die Reparatur investieren. Welche Lösungen bietet Wolt an und welche zusätzlichen Kosten entstehen hierbei für die Rider? Wäre es nicht arbeitnehmerfreundlich, den Ridern Fahrräder anzubieten?
Zu diesem Thema haben wir einige Rückmeldungen erhalten, und wir sind gerade dabei es näher zu untersuchen. Viele Kuriere bevorzugen es, ihre eigenen Fahrräder zu nutzen (z. B. haben sie vielleicht ein wirklich gutes und leichtes Fahrrad), während andere es vorziehen würden, wenn wir Fahrräder zur Verfügung stellen. Zurzeit berücksichtigen wir die Abnutzung von Fahrrädern separat in der Vergütung für Kuriere (wir kompensieren die Distanz bei der Lieferung). Außerdem bieten wir Kurieren die Möglichkeit, E-Bikes zu einer vergünstigten Monatsgebühr zu mieten, die sie auch für private Zwecke nutzen können. Für normale Fahrräder haben wir eine Kooperation mit Swapfiets, und wir werden in naher Zukunft auch Fahrradreparaturen anbieten.
Im Vorgespräch habe ich von euch erfahren, dass Wolt von den Restaurants eine Provision zwischen 25-30% verlangt (bzw. während des Lockdowns liegt der Betrag etwas niedriger). Ingrid Hartges, Chefin des Verbands Deutscher Hotel- und Gaststätten, hat jüngst Restaurants von einer Zusammenarbeit mit Lieferdiensten abgeraten, da sich kein Gastronom leisten könne, 30 Prozent Provision zu zahlen. Meine Frage: Wie verteidigt ihr die Höhe dieser Provision?
Angesichts der aktuellen schwierigen Situation, die sich nun schon fast über ein Jahr zieht, verstehen wir, dass uns genau diese Frage gestellt wird. Die Bitte an uns, die Provisionen der Restaurants zu senken, ergibt intuitiv Sinn. Denn eine Provision klingt, als sei sie etwas Zusätzliches. Für uns ist es jedoch buchstäblich unser einziges eigenes Einkommen. Als Unternehmen müssen wir auch sicherstellen, dass es uns langfristig gibt, damit wir unseren Restaurants auch in Zukunft Bestellungen und Kurierdienste bringen können.
Die Provisionen in Deutschland liegen zwischen 25 und 30 % für die Bestellungen, die das Restaurant über Wolt erhält. Es ist wichtig zu verstehen, dass Wolt als Geschäftspartner für Restaurants gedacht ist, um zusätzliche Bestellungen zu generieren und neue Kunden zu erreichen. Also ein zusätzlicher Vertriebskanal. Es ist nicht Wolts Intention und Geschäftsmodell, dass Restaurants auf sie angewiesen sind und sich auf Wolt verlassen müssen, was leider in vielen unserer Städte während der Corona-Pandemie durch die Schließungen von Restaurants aktuell der Fall geworden ist.
Wir verstehen, dass dies eine unglaublich schwierige Zeit ist – vor allem für unsere Partnerrestaurants, und hoffen, wie alle anderen auch, dass wir die Pandemie bald hinter uns haben. Auch uns tut die dadurch entstandene Situation furchtbar leid. Wir tun unser bestes unsere Partnerrestaurants in dieser Zeit bestmöglich finanziell zu unterstützen.
Wie das Geld durch Wolt fließt:
Wolt selbst hat zwei Einnahmequellen (aber wir verdienen kein Geld per se, da wir als Unternehmen derzeit noch Verluste schreiben): die vom Kunden gezahlte Liefergebühr und die Lieferprovision, die der Händler (= das Restaurant) an uns zahlt.
Den ersten Teil - die Liefergebühren - geben wir zu 100 % an die Kuriere weiter. Ein weiterer Punkt, der vielen nicht bewusst ist: Von unseren gesamten Provisionseinnahmen geht mehr als die Hälfte ebenfalls an die Kuriere.
Das bedeutet, dass Wolt nur noch weniger als die Hälfte unserer Provisionen zur Verfügung steht.
Von diesem Geld bezahlen wir unsere Büromieten in 23 Ländern und die Gehälter unserer 2.200 Büromitarbeiter. Wir zahlen für unsere Produktentwicklung und unser Design, für unsere Nutzerakquisekosten und für den Start von Wolt in neuen Städten, damit noch mehr Restaurants und Kuriere mit Wolt Geld verdienen können. Wir zahlen die Gehälter unserer Finanz-, Rechts-, Global Operations-, Analyse-, Personal-, Strategie- und Kommunikationsteams sowie der 22 Ingenieurteams, die wir beschäftigen. Wir zahlen für die Laptops und Telefone, die wir alle benutzen, und für Hunderte von Bildschirmen und Headsets, die unsere über 1.000 Support-Mitarbeiter verwenden. Wir zahlen die Transaktionskosten für all das Geld, das über die Wolt Plattform fließt, und für die Cloud-Service-Infrastruktur, auf der wir unsere Services betreiben. Und so weiter und so fort...
Vielleicht fragst du dich jetzt, wie wir uns das überhaupt alles leisten können, wenn wir nur weniger als die Hälfte unserer Händlerprovisionen einnehmen. Die Antwort ist: Eigentlich können wir es uns nicht leisten, zumindest noch nicht. Ganz im Gegenteil: bis jetzt sind wir noch ein mit Verlusten arbeitendes Unternehmen. Letztes Jahr haben wir weltweit rund 38 Millionen Euro verloren.
Auch wenn wir selbst große Verluste machen, tun wir unser Bestes, um unsere Restaurantpartner durch diese Zeit zu begleiten. In Deutschland umfasst unser Restaurant-Support-Paket zum Beispiel:
Seit Beginn des Lockdowns im November zahlt Wolt pro Lieferbestellung 1,50€ an Restaurants zurück. Dies entspricht in etwa einem Rabatt von 20-30% auf die Provision, ist aber gerechter verteilt.
Außerdem verzichtet Wolt komplett auf die Provision für durch den Kunden selbst abgeholte Bestellungen.
Darüber hinaus führen wir Zahlungen an Restaurants häufiger durch, damit Sie schneller an Bargeld kommen. Wenn ein Restaurant ein iPad über uns gekauft hat, verschieben wir den Einzug dieser Zahlung.
Als Unternehmen müssen wir uns weiterhin darauf konzentrieren, ein gesundes und skalierbares Geschäft zu entwickeln, in dem wir mit einer sehr engen „Stückzahl-Ökonomie“ arbeiten. Wenn Wolt wächst, bedeutet das mehr Kunden, mehr Aufträge für Restaurants und mehr Einnahmen für die Kuriere. Wachstum unterstützt uns alle in der Gleichung.
Wir tun unser Bestes, um unsere Partner zu unterstützen - in den letzten 12 Monaten haben wir unseren Partnerrestaurants und unseren Kurieren weltweit fast 1 Milliarde Euro gezahlt (970 Millionen ist die genaue Zahl). Wir haben auch Maßnahmen ergriffen, um unsere Partner finanziell zu unterstützen (wie oben erwähnt).
Euer Bezahlmodell sieht ja so aus, dass die Rider pro Auftrag und pro zurückgelegter Strecke bezahlt werden. Inwieweit reagiert ihr auf Vorwürfe, eine Bezahlung pro Auftrag verführe die Rider dazu, unsicherer (weil schneller) im Straßenverkehr unterwegs zu sein?
Die Bezahlung der Kuriere basiert auf zwei Komponenten: Stundenlohn plus eine Bezahlung pro Auftrag ab einem bestimmten Schwellenwert. Als wir dieses Bezahlmodell eingeführt haben, haben wir um Feedback von lokalen Kurieren, Rechtsberatern sowie deutschen Arbeitsexperten gebeten. Wir haben versucht, ein Modell zu finden, das ein gutes Grundgehalt bietet und gleichzeitig den Kurier für die geleistete Arbeit belohnt. Die Bezahlung pro Auftrag ist nicht an die Geschwindigkeit einer Lieferung gebunden - nur daran, dass eine Lieferung abgeschlossen wird. In diesem Sinne sollte der Kurier also kein Gefühl der Eile haben. Außerdem betonen wir in all unseren Kurierschulungen die Verkehrssicherheit und mahnen zur Vorsicht und Rücksichtnahme auf andere Verkehrsteilnehmer.
Auch die Bezahlung anhand der Strecke wurde von beiden Wolt-Fahrer*innen kritisiert: Die Strecke wird ja nur in Luftlinie gemessen. Die beiden Berliner Bezirke Kreuzberg und Friedrichshain sind durch die Spree getrennt. Die Luftlinie ist hier in jedem Fall sehr viel kürzer als die eigentlich Strecke, welche die Rider zurücklegen müssen. Warum ist das so? Und ist dieses Bezahl-System den Ridern gegenüber nicht unfair?
In allen unseren 23 Ländern berechnet die Wolt-Plattform Entfernungen nach dieser Methode. So hat sich unser System seit über fünf Jahren entwickelt und so funktioniert es. Bei technologischen Lösungen, die Entfernungen betrachten, sind einige Vereinfachungen notwendig - selbst wenn wir in der Lage wären, die Straße zu betrachten, können wir Dinge wie z. B. Hügel nicht berücksichtigen. Abgesehen davon entwickeln wir die Funktionsweise unseres Systems ständig weiter und werden dieses Feedback berücksichtigen.
Um noch etwas weiter auszuholen: Wenn wir beispielsweise auf unserer Plattform die Lieferentfernungen mit Google Maps messen würden, wäre das für Apple-Nutzer nicht fair. Sie navigieren wahrscheinlich mit Apple Maps und die Diskrepanz in den Kartendaten und der Routenführung könnte ihre Leistung im Vergleich zu Android-Nutzern, die wahrscheinlich Google Maps zur Navigation verwenden, beeinträchtigen. Dies würde sich sowohl auf den Preis auswirken, den der Kunde zahlt, als auch auf die Bezahlung des Kuriers pro Auftrag. Das ist ein Grund, warum wir die Realität ein wenig vereinfachen müssen. Wir wollen dem Kurier auch die Freiheit geben, seine Route zu wählen, ob er nun Google Maps, Apple Maps, OpenStreetMap oder sein eigenes Wissen über schnelle Routen nutzt. Wir haben festgestellt, dass die Messung der Luftlinie am Ende die fairste für alle unsere Kuriere und Kunden ist.
Des Weiteren empfinden die beiden Rider es als problematisch, dass nur die Strecke zwischen Restaurant und Kunde bezahlt wird, nicht aber die Anfahrt des Riders zum Restaurant. Warum ist das so? Und aus den letzten beiden Fragen ableitend: In wieweit ist eine Bezahlung anhand der Strecke überhaupt arbeitnehmerfreundlich?
Unsere routenoptimierende Technologie verteilt die Aufträge an die nächsten verfügbaren Kuriere in der Nähe des Restaurants. Das bedeutet, dass die Entfernung vom vorherigen Kunden zum nächsten Restaurant normalerweise kurz ist. Es kann aber auch Ausnahmen geben. Die Bezahlung des Kuriers besteht aus einem stündlichen Grundgehalt plus einem Lohn pro Auftrag, wobei das Grundgehalt die Zeit abdeckt, in der der Kurier zum Restaurant fährt. Das Grundgehalt ist viel größer als der Lohn pro Bestellung, daher finden wir ihn fair. Das Grundgehalt liegt über dem gesetzlichen Mindestlohn.





