Eine Software, die Firmen eine Verkaufsplattform im Netz anbietet und ihnen alles abnimmt. Eins fehlt den jungen Gründern aber immer noch: Geld. (Wer ist der Mann, der hinter dem 100-Milliarden-Start-up steckt?, Der Spiegel, 12.08.2020)
Es bleibt ihnen nichts anderes übrig, als eigenes Geld und das aus dem Umkreis ihrer Freunde und Familie einzusammeln. Vor allem Tobis Schwiegervater, ein wohlhabender Diplomat, glaubt an ihn und seine Idee. (https://www.goethe.de/ins/ca/de/kul/ges/dsk/dso/21806467.html, https://www.spiegel.de/karriere/tobias-luetke-shopify-gruender-wird-vom-schlechten-schueler-zum-milliardaer-a-1180974.html)
Tobi fährt er ins Silicon Valley zu Investorenterminen. Er kauft sich extra ein Fahrrad für die Zeit, um vor Ort bei den VCs von Tür zu Tür zu fahren, er radelt jetzt also durchs Silicon Valley von Investor zu Investor, kommt aber mit leeren Händen zurück nach Kanada. (Wer ist der Mann, der hinter dem 100-Milliarden-Start-up steckt?, Der Spiegel, 12.08.2020)
Der Mitarbeiter, der in den nächsten sechs Monaten den höchsten Umsatz macht, soll von ihm ein neues MacBook Pro bekommen. Sein Kumpel, der Autor Tim Ferris, den man vielleicht von Büchern wie „Die vier Stunden Woche“ kennt, meint aber, dass der Anreiz viel zu niedrig ist. Und so ist es auch. Wirklich den Arsch aufreißen tut sich für das MacBook niemand. Jetzt muss Tobi handeln. Das Geld geht langsam aus und um Investoren zu überzeugen, muss er ihnen Fortschritt in Form von besserer Software, mehr Shops und mehr vorweisen. Er geht schlussendlich all in und bietet die letzten 100.000 Dollar, die das Unternehmen hat, als Preisgeld für den besten Mitarbeiter. (Wer ist der Mann, der hinter dem 100-Milliarden-Start-up steckt?, Der Spiegel, 12.08.2020; https://tim.blog/2019/02/11/the-tim-ferriss-show-transcripts-tobi-lutke/ , hier nachzuhören: https://open.spotify.com/episode/5vMCUAcH1gfC9Am9aZq0Oh?si=2827a030f9e14d6e ab 1:10:55)
1400 neue Händler werden in kurzer Zeit auf die Plattform geholt. Ab jetzt gibt es nur noch eine Richtung: nach oben! (Wer ist der Mann, der hinter dem 100-Milliarden-Start-up steckt?, Der Spiegel, 12.08.2020)
Nachdem es im ersten Versuch im Silicon Valey nicht geklappt hatte, stehen jetzt auch die VCs Schlange: Der renommierte Fonds Bessemer Venture
Partners allein investiert über die folgenden jahre mehr als 120 Millionen Dollar in shopify. Der Fonds hat zu dem Zeitpunkt auch andere Beteiligungen, zum Beispiel LinkedIn oder Twitch, habt ihr vielleicht auch schon mal gehört. In seiner neuen Heimat Kanada wird er 2014 von einer großen Tageszeitung zum CEO des Jahres gewählt. (Wer ist der Mann, der hinter dem 100-Milliarden-Start-up steckt?, Der Spiegel, 12.08.2020, https://brainstation.io/magazine/tobias-lutke, https://www.theglobeandmail.com/report-on-business/rob-magazine/meet-our-ceo-of-the-year/article21734931/)
Für Shop-Betreiber heißt das also zum Beispiel, geil aussehende Designs zu haben und eine Software, die alle Käufe abwickelt, das Inventare managet und noch alles direkt mit der Buchhaltung verbindet, ohne groß zu programmieren und für einen kleinen monatlichen Betrag. (https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.onlineplattform-shopify-auf-der-ueberholspur.1f7ff92b-c591-4166-b1c9-3a9b1abfac93.html)
Kylie Jenner, fing an sich über Insta einen Namen zu machen und brauchte einen Online-Shop für ihre eigene Kosmetik Marke. Tobi liefert die Plattform für einen geilen Onlineshop und zack – 360 Millionen Dollar Umsatz powered by Shopify! (Wer ist der Mann, der hinter dem 100-Milliarden-Start-up steckt?, Der Spiegel, 12.08.2020)
Geschäftspartner und Freunde beschreiben ihn immer wieder als ambitionierten Typen, der immer gut vorbereitet ist und den genauen Durchblick bei allen Entscheidungen hat. Jim Orlando, ein Partner einer der damaligen VCs von Shopify beschreibt Tobi so: „Das war das beste Investment meines Lebens! Tobi war immer
bestens vorbereitet, er hat immer jedem im Meeting ein Handout mit den wichtigsten Entwicklungen in die Hand gedrückt.“ (Wer ist der Mann, der hinter dem 100-Milliarden-Start-up steckt?, Der Spiegel, 12.08.2020)
Dein Zeug steht jetzt mit tausenden anderen Sachen in Konkurrenz. Dafür übernimmt Amazon deinen Transport und wickelt auch die Zahlung ab. Kurz gesagt: es ist überall. Damit ist für Verkäufer zwar dafür gesorgt, dass das Produkt auf der größten Online-Handelsplattform der Welt angeboten wird, die Verkäufer haben aber weniger Kontrolle und Macht plus Amazon verdient auch überall mit. Entweder über Affiliate-Links, Verkäufen oder wenn der Anbieter Werbung schalten will, für alles nimmt Amazon ne Gebühr. (https://de.statista.com/prognosen/860277/top-online-shops-weltweit-ecommercedb#:~:text=Amazon.com%20f%C3%BChrt%20den%20globalen,com%20mit%20100%2C148%20Millionen%20Euro)
Dieser New York Times Artikel bringt es ganz einfach auf den Punkt:
Wenn Amazons Schlüssel zum Erfolg es war, den Kunden an die erste Stelle zu packen, dann ist Shopifys Ansatz, den Verkäufer auf die Eins zu stellen. (komplette Passage: https://www.nytimes.com/2020/11/24/magazine/shopify.html)
Wir haben ja eben schon über Tobis Kindheit berichtet. Wie ist er denn heute so drauf, und wie führt er ein Unternehmen mit Börsenwert um die 100 Milliarden Dollar? (https://aktie.traderfox.com/visualizations/CA82509L1076/DI/shopify-inc#:~:text=%5BSHOP%20%7C%20A14TJP%20%7C%20CA82509L1076%5D&text=B%C3%B6rsenwert%3A,98%2C000%20Mrd)
Zum Beispiel ist er der Meinung, dass Leute ihre Arbeitszeiten einhalten müssen und dieses nächtelange Hustler-Getue ist nicht sein Ding. In einem Interview sagt er mal, dass 80-Stunden-Wochen komplett nutzlos sind, weil man in der Zeit eh nichts hinbekommt. (https://www.cnbc.com/2019/12/26/shopify-ceo-you-dont-have-to-work-80-hours-a-week-to-be-successful.html?&qsearchterm=Tobias%20Lutke)
Er zockt StarCraft so gern, dass er dem südkoreanischen Pro Gamer Sele CT, quasi dem Messi des Starcraftes, einfach ein Praktikum angeboten hat. (https://www.businessinsider.com/retired-gamer-offered-internship-for-past-starcraft-2-performance-2019-10, https://www.nytimes.com/2020/11/24/magazine/shopify.html)
Deswegen mussten in den letzten beiden Jahren jeweils über 1000 Mitarbeiter entlassen werden, nachdem der Börsenwert teilweise um 70 Milliarden Dollar abgerutscht war. Immerhin schenkte er allen Gefeuerten vier Monatsgehälter Abfindung und gratis Krankenversicherung, Seine Prognosen waren quasi eine Wette auf die Zukunft, die er verloren hat. (Fast keine Meetings mehr: So will der Shopify-Gründer sein Startup produktiver machen, Business Insider, 07.01.23, Alex Hofmann, https://apnews.com/article/shopify-fulfillment-flexport-ocado-group-6b504d0d67acd2ad1af6348cd1ec6425, https://www.businessinsider.de/gruenderszene/business/shopify-ceo-tobias-luetke-entlaesst-1000-mitarbeitende-b/)
Und nicht nur das, wir erinnern uns ja, Tobi will im E-Commerce-Markt zu Amazon aufschließen. Daher hatte er 2020 in Logistik investiert: an 7 Standorten in den USA gabs neue Shopify-Lager mit Robotern für eine halbe Milliarde Euro. Auch dieser gesamte Geschäftszweig ist inzwischen tot. RIP. (https://apnews.com/article/shopify-fulfillment-flexport-ocado-group-6b504d0d67acd2ad1af6348cd1ec6425)
Nach dem Motto: Wenn du ihn nicht schlagen kannst, mach ihn zu deinem Freund, kooperiert Shopify jetzt mit Amazon. Hierbei kann man neuerdings über eine Shopify-Website eine „Buy with Prime“ Option angezeigt bekommen. Man bekommt also zum Beispiel seine Ware mit Prime geschickt. Shopify hat sich also literally für Amazon gebückt. (https://www.cnbc.com/2023/08/31/shopify-stock-pops-after-it-strikes-buy-with-prime-deal-with-amazon.html)
Tobi, dem nichts wichtiger als Effizienz ist, hat eine Lösung. Er entwickelt ein brower add on und installiert auf allen Arbeitsrechnern. Das add on rechnet jetzt genau um, was dieses Meeting in Geld kostet. Das Programm rechnet dann zum Beispiel vor, dass ein drei Personen Meeting von 30 Minuten das Unternehmen bis zu 1600$ Gehalt kostet. (https://www.cbsnews.com/news/shopify-meeting-cost-calculator-tool/)
Und nicht nur das, nach dem Weihnachtsurlaub 2022 hat er allen Mitarbeitern einfach die Kalender gereinigt und diese Daily-Benachrichtigungen für On Board Meetings oder tägliche Frühkonferenzen komplett gestrichen. Große Meetings dürfen ab sofort nur noch einmal die Woche in einem bestimmten Zeitraum abgehalten werden. (Fast keine Meetings mehr: So will der Shopify-Gründer sein Startup produktiver machen, Business Insider, 07.01.23, Alex Hofmann)